Songwriter und Produzent | Bernd Oettinger

Gesammelte Ideen und Tipps für Songwriting, Arrangement und Produktion

 

Dies ist eine Liste von Ideen und Maßnahmen, die als Werkzeugkiste für die Verbesserung der eigenen Songideen und Produktionen dienen soll. Sie richtet sich an fortgeschrittene Songwriter und Produzenten im Bereich der Pop- und Rockmusik. Eine solche Liste für meine tägliche Arbeit wollte ich schon lange erstellen und biete sie nun online an. Ihr könnt sie gerne teilen. Sie hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit (wie auch?)

 

Falls Ihr Feedback oder Fragen dazu habt, gerne per Mail an mich (info@songwriter24.de).


Ich werde die Liste regelmäßig updaten, da ich im Bereich der Musikproduktion die Lernkurve zwar flacher wird, aber immer noch ansteigt. Auch werde ich versuchen, für die Beispiele jeweils kurze Sounddateien oder Link-Beispiele anzuhängen. Insgesamt werde ich mich bei den Tipps eher kurz halten, da es zu jedem Thema auch ausreichend Youtube-Tutorials gibt, die man sich zur Vertiefung gerne anschauen kann.

 

 


 

Alle diese Maßnahmen wende ich mehr oder weniger häufig in meinen Produktionen an. Es sind bestimmt viele Klassiker dabei, aber vielleicht findet ihr die eine oder andere Idee, die ihr noch nicht kennt. Und bitte: ausprobieren.

 

Arrangement (Sound)

  • Chorus "aufgehen" lassen: Panorama in Verse eng halten, im Chorus volles Panorama. Bsp.: Gedoppelte E-Gitarren im Verse auf halblinks und halbrechts drehen, sobald der Chorus beginnt, die beiden Gitarren per Automation weiter (ganz) links bzw. rechts im Panorama verteilen. Ggf. im Chorus auch Pegel der Gitarren leicht anheben.

  • Extrem nach links/ rechts gepannten Harmonieinstrumenten (z.B. Gitarre, Piano) kann über Sendeffekte auf der gegenüberliegenden Seite ein Reverb (und/ oder Delay) spendiert werden (ist sehr gut auf alten Van Halen-Aufnahmen zu hören, einfach mal Balance nach ganz links/ rechts drehen). Gilt auch für Vocaldopplungen.

  • Snare-Reverb sollte dem jeweiligen Formteil angepasst werden, z.B. im Verse weniger im Chorus mehr Reverb.

  • Um einen Vintage-Charakter zu erreichen, der Snare (ggf. dem ganzen Drumset) ein kurzes Slapecho spendieren (vgl. Lenny Kravitz www.youtube.com/watch?v=yay4pu-5tde)

  • Außergewöhnliche Instrumente oder Soundsamples als Earcatcher einsetzen (jede DAW bietet eine Menge AU- bzw. VST-Instrumente oder aber über www.freesound.org interessante Sounds suchen). Ich habe in einem Song mal ein Maultrommel-Sample verwendet, das hat nicht jedem gefallen, mir aber schon :-)

  • Gadgets für außergewöhnliche Sounds einsetzen (meist sind diese gar nicht so teuer): Mundharmonika, Melodika, Glockenspiel, Perkussionsinstrumente, Mandoline, Lapsteel-Gitarre, Mandoline, Banjo (gibt’s auch als 6-Saiter), Slide/ Bottleneck, Ebow, Talkbox etc.)

  • Wechsel der VST-Instrumente zwischen Formteilen, z.B. E-Piano im Verse, Piano im Chorus. 

  • "Übersetzung" eines Gitarren-Arpeggios in ein Piano-Arpeggio und umgekehrt.

  • Sidechaining für Zusammenspiel zwischen Kick und Bass, um tiefe Frequenzen freizuräumen und mehr Punch zu haben. Je nach DAW unterschiedlich zu handhaben. Kick wird solo gebounct, der entstehende Audiotrack erhält keinen Output. Der im Insertkanal des Basses sitzende Kompessor wird dann per Sidechaining über die Kickspur gesteuert.

Arrangement (Dynamik)

  • Wird im Verse von den Drums eine geschlossene Hihat gespielt, dann kann man diese in den letzten Takten vor dem Chorus langsam öffnen und/ oder die Velocity erhöhen. Im Chorus dann offene Hihat bzw. Ride-Becken einsetzen.

  • Anschlagsstärke der Gitarre erhöhen bzw. von einer abgestoppten Spielweise (Palm Mute) in eine offene Spielweise steigern, um musikalische Dynamik zu erhöhen.

  • Bass unmittelbar vor Chorus in höheren Lagen spielen bzw. in die jeweilige Oktave wechseln.

  • Stopp unmittelbar dem Chorus einbauen – wirkt Wunder und lässt den Chorus noch größer wirken. Auch an wichtigen/ prägnanten Textstellen in Formteilen sinnvoll.

  • Falls der Song einen PreChorus hat, bei diesem die Drums reduzieren bzw. Tempo auf Halftime setzen und im Chorus wieder in normales Tempo wechseln.

  • Bei schnellen Songs mit durchgängig hohem Tempo können Formteile in Halftime für Entspannung und Abwechslung sorgen.

  • Stichwort "Mechanische Dynamik": Spannungslinie im ganzen Song steuern durch Veränderung der Instrumentendichte und –sounds. Bsp. 1. Verse nur mit Drums (Sidestick) Bass und Gitarre, zweiter Verse mit dann mit Drums (Snare), Bass, Gitarre und Piano.

  • Ausdünnen des Arrangements, wenn dieses zu voll ist. Hier am besten immer vom Ende, d.h. dem Chorus in der Maximalausführung denken. Bsp. Gedoppelte A-Gitarren und E-Gitarren. Jeweils eine der beiden muten, so dass bspw. links A-Gitarre und rechts E-Gitarre zu hören ist.

  • "Runterfahren" nach dem ersten Chorus: 2. Verse ohne "Bassfundament", d.h. Kick wegnehmen und Bass, so dass von Rhythmussektion z.B. nur Snare und HiHat zu hören ist. Bassfundament erst wieder am Ende des Verse oder spät. im Chorus dazufahren.

  • Beginnt der Song mit einem Instrumentalteil, der an den Chorus angelehnt ist, dann den 1. Verse sehr spärlich instrumentieren: sehr effektiv! (vgl. Wings von Birdy: www.youtube.com/watch?v=wjtxdch2yia).

  • Rückwärts-Effekte eignen sich hervorragend, um Übergänge zu gestalten: Piano, Gitarren, Bass, Becken anspielen (natürlich ausklingen lassen) und dann bouncen. Dann in die Rückwärts-Version umwandeln und vor den zu steigernden Part setzen. Sehr gut ist auch ein Timpano Crescendo, aber auch sehr klischeebehaftet. Auch Vocals können so bearbeitet werden. Dazu: Vocals mit langer Hallfahne versehen. Wet-Signal bouncen, rückwärts drehen und einsetzen. Rückwärtseffekte können auch in Formteilen sehr effektvoll eingesetzt werden, nicht nur zu Beginn eines neuen Formteils.

  • Ähnlich wie Rückwärtseffekte können auch sogenannte "Noise Sweeps" verwendet werden, dies ist eher typisch für elektronische Musik (einfach "Noise Sweeps" bei Youtube eingeben).

  • Drum-Velocity im Verse etwas absenken, im Chorus anheben. Ggf. im Chorus Rimshot-Sound zur eigentlichen Snare layern.

  • Zur Steigerung im Verse flächige Instrumente integrieren (z.B. Streicher, Synthie, Hammondorgel), diese dann im Chorus beibehalten (stärkere Velocity) oder durch andere "intensivere" ersetzen (typisch: Verse = Hammond, Chorus = Bläser).

  • Breaks (Schlagzeug), Riffs, Anschlagmuster  zuerst im Projekt auf Metronom einsummen (oder auch per Strumming mit A-Gitarre einspielen) und dann Drums programmieren bzw. Riffs mit echten Instrumenten nachspielen.

  • Chorus (ggf. nur letzter Chorus) mit einem Schellenkranz-Pattern (z.B. 16tel mit Betonung auf der Snare).

  • Bei Piano Umkehrungen bzw. Oktaven zwischen Formteilen wechseln. 

Arrangement (Harmonisch)

  • "Klassische" Rückung im letzten Chorus um einen Halbton/ Ganzton nach oben (typisch für Schlager) ist zwar etwas verpönt, aber immer noch sehr effektiv.

  • Rückung um eine kleine Terz nach oben, z.B. für Soloteil. Danach wieder um die kleine Terz nach unten. Bekanntes Beispiel ist das Solo in dem Song „La Grange“ von ZZ Top (Ab Minute 1:10 zu hören unter www.youtube.com/watch?v=vppbdf-qtgu).

  • Interessant, habe ich auch schon eingesetzt: Rückung des 2.Verse (unmittelbar nach 1. Chorus) um einen Halbton nach oben. Song verbleibt dann in dieser Tonart (zu hören hier ab Minute 0:50 www.soundcloud.com/berndoettinger/bye-bye-love ).

  • Wenn man bei der Harmonisierung einer Melodie nicht mehr weiter weiß: den gewünschten Melodieton singen und Akkorde variieren, so dass der Melodieton den Grundton, große Sekunde, kleine/ große Terz, Quart, Quint etc. eines darunterliegenden Vierklangs darstellt. Bringt einen manchmal spielerisch weiter, wenn die Harmonisierung zu altbacken klingt. Beispiel: einen gesungenen Ton auf D ganztaktig harmonisieren: Folgende Akkorde und Vierklänge kommen in Frage (D ist jeweils fett markiert, nur eine Auswahl): D, Dm, Ebmaj7, E7, Em7, F6, Fm6, F#mb6, G (Quinte), Gm (Quint), Abm7b5, Asus4(7), Bb (gr. Terz), Hm (kl. Terz), Csus2. Die Möglichkeiten bei den Slashchords werden dann schwer zu überschauen, lassen sich aber grundsätzlich Chords einteilen, in denen D der Grundton, die Terz (kl./gr.) oder die Quinte ist. Grundtonvarianten der Slashchords für Dur: D/E, D/F#, D/G, D/A, D/H, D/C#. Diese Liste kann nun beliebig fortgeführt werden. Ein Hinweis noch zum Schluß: anhand dieser Methode ist es auch möglich - wenn Melodie und Harmonierung bereits vorhanden sind - tonleitereigene Akkorde durch interessante "ähnliche" Akkorde bzw. Vierklänge (meist Verschiebung des Grundtons des Akkords um einen Halbton in entsprechende Kirchentonleiten oder Umwandlung der Durvariante in Mollvariante) zu würzen. Aus der Akkordfolge C-G-Am-F wird dann bspw. C-Abm7b5-Am-F, C-G-Bb7(sus2)-Fm. Spielt man sie nacheinander, bekommt man bereits eine interessante Variation der Axis of Awesome.

  • Veränderung des harmonischen Rhythmus von Verse zu Chorus. Beispiel: im Verse erfolgt der Akkordwechsel jeweils nach einem halben Takt, dann bietet es sich an, den harmonischen Rhythmus im Chorus zu "verlangsamen", indem dort die Akkorde jeweils einen Takt lang gespielt werden. Dies ist natürlich auch umgekehrt möglich.

  • Einen ähnlichen Effekt zur Abgrenzung von Formteilen ermöglicht die Halbierung bzw. Verdopplung des Tempos der Gesangsmelodie/ -phrasierung; typischerweise wird das Tempo des Gesangs im Verse (mehr Text) im Chours reduziert, wo dann längere, gedehnte Phrasen gesungen werden.

  • Um den Spannungsbogen vor einem Chorus noch zu erhöhen, kann der Verse (bzw. Prechorus) auf dem letzten Akkord um einen halben Takt verlängert werden.

  • Um einen Übergang von einem Dominantseptakkord (V7)auf die Tonika etwas weicher zu machen, gerne mal den Slashchord V./VII. ausprobieren (Bsp.: statt A7 -> G/A , sprich G über A).

E-Gitarre und A-Gitarre 

  • E-Gitarre einmal per Line-In (geht in Guitar Modeler) und zusätzlich per Mikrofon nah an den Saiten (bei der Anschlagshand) aufnehmen und später dem gemodelten Signal zumischen: sorgt für mehr Crisp bei Rhythmussounds, bei verzerrten Leadgitarren sind Mike Oldfield-ähnliche Sounds möglich – Atmen und Störgeräusche bei der Aufnahme möglichst unterdrücken :-)

  • Mehr Klangfarbe durch offene Tunings, z.B. http://www.gitarre-stimmen.de/html/open_tunings.html

  • Falls ihr zwei Westerngitarren habt, einfach mal neue Saiten für ein Nashville-Tuning (http://www.wikihow.com/Tune-Your-Guitar-to-Nashville-Tuning) auf eine der beiden Gitarren aufziehen. In Kombination mit der zweiten normal gestimmten Gitarre sind Zwölfsaiter-ähnliche Sounds möglich. Dazu beide eng im Panorama verteilen, hier sind aber viele Möglichkeiten im Mix verhanden.

  • Falls der Fokus auf der A-Gitarre liegt (z.B. bei Picking), diese mit zwei Mikrofonen stereo aufnehmen und später eng im Panorama verteilen. Ein Mikro (1) ca. 20-30cm in Höhe des 12.Bunds, eine Mikro (2) von schräg hinten auf Schallloch ausrichten. Hier sind verschiedene Mikrokombinationen möglich – einfach ausprobieren. Ich erziele gute Ergebnisse mit einem SM57 auf (1) und einem Großmembran-Kondensator auf (2). Aber Achtung: auf Phasenschweinereien achten! Ggf. die Phasen einer Spur probehalber verdrehen (in Logic mit Gain-Plugin möglich.

  • Ist die A-Gitarre "nur" Füllmaterial (z.B. Strumming), dann können auch zwei Spuren nacheinander aufgenommen und im Panorama verteilt werden (je nach Belieben).

  • Statt Synthieflächen können auch mehrere Spuren mit einem Ebow (http://de.wikipedia.org/wiki/e-bow) aufgenommen und dezent (Reverb, Delay) in den Hintergrund gemischt werden. In Kombination mit einem Slide/ Bottleneck können die Töne auch gezogen werden. Ich habe das ganze auch schon mit A-Gitarre gemacht, kommt dann etwas dezenter. Dann muss man aber sehr vorsichtig sein, da vor allem die umwundenen Saiten viele Nebengeräusche erzeugen.

  • Falls mehr als eine Gitarre für Flächen zum Einsatz kommt (gilt vor allem bei offen gespielten E- und A-Gitarren): Kapodaster nutzen und Akkorde in anderen Lagen doppeln – wirkt wesentlich organischer und dichter.

Bass

  • Bei härteren Songs der Bass-Spur eine Fuzz-Spur (verzerrte Spur) über Send (ggf. mit Low-Cut) zumischen. So geht das Bassfundament nicht verloren und gleichzeitig ist der Bass verzerrt.

  • Rock/ Metal: E-Gitarren mit verzerrten Bass-Spuren (über Gitarrenamp gespielt) doppeln. Alternativ 7-String oder Baritongitarre verwenden.

Drums/ Perkussion

  • Mal wieder einen Song im 6/8 Takt schreiben :-)

  • Bei sanfteren Songs über Besenspielweise nachdenken.

  • Snare-Drum mit einer Rimshot-Snare layern. Das gibt ihr den charakteristischen Ping.

  • Typisch für Balladen: Snare mit einem Schellenring-Schlag layern.

  • Shaker, Congas o.ä. zur rhythmischen Untermalung verwenden. 

Vocals

  • Eine große Kunst ist die Entwicklung einer Gesangsmelodie auf Basis eines bereits vorhandenen Textes. Dazu kann man folgendes probieren: Lest den Text laut vor, so dass er gut klingt. Markiert die nun Worte, die höher klingen als andere und danach die Worte die länger klingen (können). Danach sprecht ihr den Text in einem angenehmen Tempo und stellt danach das Metronom oder einen Beat in eurer DAW auf dieses Tempo ein (unbedingt vorher probieren: lässt sich der Text auch in einem 6/8 Feeling oder Shuffle-Feeling sprechen). Nun probiert ihr den Text zu singen und versucht anhand der vorherigen Markierungen eine Melodie zu erstellen. Wenn ihr dann mit dieser Melodie zufrieden seid, könnt ihr diese harmonisieren.

  • Dopplungen und Chöre aus einer Stimme generieren mit Melodyne (vgl. www.youtube.com/watch?v=mcq9rTLP_T4).

  • Harte Konsonanten wie z.B. S und T bei Dopplungen von Stimmen "verschlucken", vor allem am Ende von Phrasen, da sonst im Mix die Dopplung wahrnehmbar.

  • Dopplungen im Panorama verteilen (je nach Lust und Laune), seitenverkehrten Gegenhall bei Dopplungen einsetzen.

  • Leichtes Delay über Send zumischen (typisch 1/8, 1/4), Slapecho für Vintage- bzw. RocknRoll-Charakter.

 

 

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Bernd Oettinger | Songwriter und Produzent | Mittermayrstr. 19 | 80796 München | info@songwriter24.de